Nibelungen Sage 11/28 | Wie die Königinnen in Streit gerieten | Aventin Blog

Donnerstag, 18. Juni 2015

Nibelungen Sage 11/28 | Wie die Königinnen in Streit gerieten


Die beiden Königinnen saßen beisammen und sahen den ritterlichen Spielen im Burghof zu. Stolz blickten sie auf ihre Männer, die sich durch Kraft und Kühnheit vor allen anderen hervortaten, und Kriemhild sagte: "Sieh nur, wie Siegfried der Herrlichste unter allen Recken ist! Ihm müssten all diese Lande hier untertan sein." --- "Ja", entgegnete unwillig Brunhild, "wenn Gunther nicht wäre! Er ist hier der Herr, und er geht als König Siegfried voran." Das wollte Kriemhild nicht zugeben. "Nein", wandte sie ein, "so mächtig und berühmt ist Siegfried, dass er Gunther durchaus ebenbürtig ist."  Hochmütig erwiderte Brunhild: "Als dein Bruder auf dem Isenstein um mich warb, sagte Siegfried selbst, er sei Gunthers Lehnsmann; ich erinnere mich noch ganz genau seiner Worte."

Da begehrte Kriemhild auf: "Nie hätten meine Brüder mich einem Eigenmanne gegeben! Ich bitte dich sehr, solche Worte in Zukunft zu lassen!" Doch Brunhild gab nicht nach in ihrem stolzen Sinn. "Keineswegs lass ich sie" erwiderte sie, "ebenso wenig wie ich verzichten will auf die Dienste der Männer, die uns lehnspflichtig sind." "Auf Siegfrieds Dienste wirst du wohl immer verzichten müssen", gab Kriemhild zornig zurück, "er ist der Erste der Helden, weit vor Gunther, meinem Bruder. Im Übrigen aber wundert es mich, dass er euch zehn Jahre lang nicht dienstbar war, wenn er doch, wie du sagst, euer Lehnsmann ist."

"Überhebe dich nur mit Worten", höhnte Brunhild, "wer von uns beiden den Vorrang hat, das wird sich ja erweisen!"

"Gewiss, heute noch beim Kirchgang wird es sich zeigen!" entgegnete Kriemhild mit zornfunkelndem Blick. In feindlichem Groll schieden die Königinnen voneinander.

Kriemhild liess ihre Frauen die kostbarsten Gewänder und den reichsten Schmuck anlegen. Dann ging sie an ihrer Spitze in königlicher Pracht zur Kirche. An den Stufen des Münsters stand bereits mit ihren Begleiterinnen Brunhild. Hochmütig herrschte sie die Schwägerin an, als diese vorüberschreiten wollte: "Nichts da! Eine Eigenholdin soll nie vor der Königin gehen!" Da loderte Kriemhilds Zorn auf: "Hättest du doch geschwiegen! Jetzt sollst du vor allem Volke hören, was ich seit langem weiß: nicht Gunther hat dich bezwungen, Siegfried war es, der dir zum Herrn und Meister wurde und deinen hochfahrenden Sinn beugte. Willst du ihn und mich jetzt noch deine Eigenholden nennen?"

Tränen stürzten aus Brunhilds Augen, als sie diese Worte vernahm. "Das will ich Gunther sagen!" klagte sie laut.

"Tue es nur", erwiderte Kriemhild, "unsere Freundschaft hat ohnehin ein Ende", und stolzen Schrittes betrat sie mit ihren Frauen vor der Burgundenkönigin das Münster.

Wie lang währten Brunhild diesmal Gesang und Gebete! Nach der Messe wartete sie inmitten ihres Gefolges auf dem Münsterplatz. Kriemhild sollte ihr Rede und Antwort stehen, und hatte Siegfried sich wirklich solcher Tat gerühmt, so konnte es für ihn nur den Tod geben.

Als Kriemhild durch das hohe Portal des Münsters schritt, trat Brunhild ihr entgegen und forderte sie auf, stehen zu bleiben. "Wo sind die Beweise für die bösen Worte, die ich eben von Euch hören musste?" fragte sie mit kalter Stimme. Da wies Kriemhild ihr Ring und Gürtel, die sie einst von Siegfried erhalten hatte, und sprach: "Da habt Ihr die Beweise, die Ihr fordert! Kennt Ihr diesen Ring und diesen Gürtel noch? Siegfried nahm sie Euch in der Nacht, da er Euch bezwang!"

Weinend wandte Brunhild sich ab und ließ Gunther herbeirufen. "In Schimpf und Schande hat mich deine Schwester gestürzt", klagte sie ihm. "Meinen Ring und Gürtel zeigte sie mir zum Zeichen, dass Siegfried mich bezwungen habe. Nimmst du diese Schmach nicht von mir, so kann ich nicht länger mehr hier Königin sein."

Sogleich ließ der König Siegfried kommen und erzählte ihm von dem Streit der beiden Königinnen. "Dass es so weit gekommen ist, tut mir von Herzen leid", sprach Siegfried, "und ich schäme mich der übermütigen Worte, mit denen Kriemhild dein Weib gekränkt hat. Halten wir doch die Frauen an, dass sie in Zukunft alle heftigen Reden lassen!"

Damit schien ihm die Sache abgetan, und auch Gunther wusste keinen besseren Rat.  

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