Aventin Blog: April 2016

Freitag, 29. April 2016

Farbenphänomene | Blaurot | Johann Wolfgang Goethe


Jene Unruhe nimmt bei der weiter schreitenden Steigerung zu, und man kann wohl behaupten, dass eine Tapete von einem ganz reinen gesättigten Blaurot eine Art von unerträglicher Gegenwart sein müsse. Deswegen es auch, wenn es als Kleidung, Band, oder sonstiger Zierrat vorkommt, sehr verdünnt und hell angewendet wird, da es denn seiner bezeichneten Natur nach einen ganz besonderen Reiz ausübt. 

Indem die hohe Geistlichkeit diese unruhige Farbe sich angeeignet hat, so dürfte man wohl sagen, dass sie auf den unruhigen Staffeln einer immer vordringenden Steigerung unaufhaltsam zu dem Kardinalpurpur hinaufstrebe. 






Mittwoch, 27. April 2016

Handel mit heiligen großen Zehen in Italien | G. Ch. Lichtenberg


Im Jahr 1780 kam Sir William Hamilton nach dem kleinen Städtchen Isagua in Abruzzo und bemerkte dort in einer den heiligen Cosmas und Damian gewidmeten Kirche, dass sich eine Menge Frauen und Mädchen andächtig um einen jungen Kanoniker versammelt hatten, der ein großes Becken vor sich stehen hatte, in welches diese Andächtigen etwas opferten, das Sir Williman nicht gleich erkennen konnte. 

Als er sich erkundigte, was das sei, was die Damen da in das Becken trügen, sagte man ihm, es wären in Wachs geformte große Zehen des Schutzheiligen dieser Kirche, des heiligen Cosmo. --- Und warum würden sie denn geopfert? Es geschähe, war die Antwort, sich damit Fruchtbarkeit zu erbitten. Dass man nun gerade die große Zehe des Heiligen wählte und nicht lieber den Daumen oder sonst einen Finger oder die ganze Hand, machte die Neugierde des Philosophen rege; er trat also hinzu, um die Große-Zehen-Sammlung näher zu betrachten, und fand am Ende, dass die Frauen zu Isagua in Abruzzo, um Fruchtbarkeit zu erlangen, Priapen opferten, die mit viel Kunst in Wachs geformt waren und die man, um ein skandalöses Verfahren zu verstecken, einfach große Zehen genannt hatte. 

Die Mönche des Ortes schickten nämlich ihre Brüder mit Körben voll dieser Zehen aus, die diese dann auf den Straßen feil boten. Eigentlich hatten die Zehen keinen bestimmten Preis, man konnte geben, was man wollte, aber da man hauptsächlich die Eigenschaft an ihnen rühmte, dass die Wirkung immer desto sicherer wäre, je mehr man dafür bezahlte, so zogen die Mönche mit ihrer Ware beträchtliche Summen ein. 

Offenbar waren an dem Ort früher Priapeja gefeiert worden und die Einkünfte dieser Wachsfiguren mochten den Nachfolgern des Heidentums zu  gewichtig erschienen sein, um sie nicht auch zum Besten für das Kloster zu verwenden und den heidnischen Brauch unter einem etwas züchtigeren Namen weiter leben zu lassen. 






Dienstag, 26. April 2016

Der Schimmelreiter | Zeiningen | Sage aus der Schweiz


Einst lebte in Zeiningen ein reicher, äußerst geiziger Mann. Täglich reitet er auf einem Schimmel über seine Güter. Er lieh zu Zeiten der Not den bedrängten Bauern Geld zu Wucherzinsen aus, und wehe ihnen, wenn sie nicht just auf den Tag zahlen konnten. Mit unbarmherziger Härte jagte er sie von Haus und Hof und nahm die Güter selber in Besitz.

Fast der ganze Grundbesitz von Zeiningen war ihm so in die Klauen geraten. Aber als er sein Ende herannahen fühlte, packte ihn die Reue über sein ruchloses Leben. Es war zu spät. Er starb, und der Fluch der armen Leute folgte ihm übers Grab hinaus. Er wurde nicht wie ehrliche Leute auf dem Friedhof beerdigt, sondern man verscharrte ihn droben auf der „Eggmatt“, da, wo früher die vier Eichen standen. Seither reitet er jede Nacht auf einem Schimmel in der Geisterstunde um den Berg. Wenn die Glocke in Zeiningen ein Uhr schlägt, verschwindet er wieder. Wer Erbarmen hat mit ihm, der möge an seinem Grab suchen, bis er eine Schnur findet. Daran möge er dreimal ziehen, dann ist der nächtliche Reiter erlöst.






Montag, 25. April 2016

Gans bleibt Gans | Mehr scheinen wollen als sein | Fabel von Lessing


Die Federn einer Gans waren so schön weiß, dass sie den neugeborenen Schnee beschämten. Stolz auf dieses blendende Geschenk der Natur, glaubte sie daher, eher zu einem Schwan als zu dem, was sie war, geboren zu sein. 

So sonderte sie sich von ihresgleichen ab und schwamm einsam und majestätisch  auf dem Teich herum. Bald dehnte sie ihren Hals, dessen verräterischer Kürze sie mit aller Macht abhelfen wollte. Bald suchte sie ihm die prächtige Biegung zu geben, in welcher der Schwan das würdigste Ansehen eines Vogels des Apollo hat. Doch vergebens; ihr Hals war zu kurz und zu steif, und mit aller ihrer Bemühung brachte sie es nicht weiter, als dass sie doch nur eine ganz normale Gans blieb, ohne ein Schwan zu werden. 

Lehre:
Schuster bleib bei deinen Leisten!






Freitag, 22. April 2016

Die Oase | Die Legende von einem modernen Menschen


Ein "moderner" Mensch verirrte sich in der Wüste. Die unbarmherzige Sonnenglut hatte ihn fast ausgedörrt. Da sah er in einiger Entfernung eine Oase. Aha, eine Fata Morgana, dachte er, eine Luftspiegelung, die mich narrt. Denn in Wirklichkeit ist gar nichts da.

Er näherte sich der Oase, aber sie verschwand nicht. Er sah immer deutlicher die Dattelpalmen, das Gras und vor allem die Quelle. Natürlich eine Hungerfantasie, die mir mein halb wahnsinniges Gehirn vorgaukelt, dachte er. Solche Fantasien hat man bekanntlich in meinem Zustand. Jetzt höre ich sogar das Wasser sprudeln. Eine Gehör-Halluzination. Wie grausam die Natur doch ist.

Kurze Zeit später fanden ihn zwei Beduinen tot. "Kannst du so etwas verstehen?" sagte der eine zum anderen, "die Datteln wachsen ihm beinahe in den Mund und dicht neben der Quelle liegt er verhungert und verdurstet! Wie ist das möglich?"

Da antwortete der andere: "Er war ein moderner Mensch."




Mittwoch, 20. April 2016

Die fünf Silas | Sittliche Grundregeln | Buddhismus

Die sittlichen Grundregeln im Buddhismus

Die Fünf Silas:
  1. Ich gelobe, mich darin zu üben, kein Lebewesen zu töten oder zu verletzen.
  2. Ich gelobe, mich darin zu üben, nichts zu nehmen, was mir nicht gegeben wird.
  3. Ich gelobe, mich darin zu üben, keine ausschweifenden sinnlichen Handlungen auszuüben.
  4. Ich gelobe, mich darin zu üben, nicht zu lügen und wohlwollend zu sprechen.
  5. Ich gelobe, mich darin zu üben, keine Substanzen zu konsumieren, die den Geist verwirren und das Bewusstsein trüben.


Dienstag, 19. April 2016

Der Großvater und der Enkel | Märchen der Gebrüder Grimm




Es war einmal ein steinalter Mann, dem waren die Augen trüb geworden, die Ohren taub, und die Knie zitterten ihm. Wenn er bei Tisch saß und den Löffel kaum halten konnte, verschüttete er Suppe auf das Tischtuch und es floss ihm auch immer etwas wieder aus dem Mund. 

Sein Sohn und dessen Frau ekelten sich davor und deswegen musste sich der alte Großvater hinter den Ofen in die Ecke setzen. Sie gaben ihm sein Essen in eine irdene Schüssel und noch dazu nicht einmal genug; da sah er betrübt nach dem Tisch und die Augen wurden ihm nass. 

Einmal konnten seine zittrigen Hände die Schüssel nicht mehr festhalten, sie fiel zur Erde und zerbrach. Die junge Frau schalt, er sagte aber nichts und seufzte nur. Da kaufte sie ihm eine hölzerne Schüssel für ein paar Heller, daraus musste er nun essen. 

Wie sie nun einmal so da sitzen, hält der Enkel von vier Jahren auf dem Boden sitzend kleine Holzleisten zusammen. "Was machst du da?" fragte der Vater. "Ich mache einen kleinen Trog" antwortete das Kind, "daraus sollt Ihr essen, wenn ich einmal groß bin!" Da sahen sich Mann und Frau eine Weile an, fingen an zu weinen, holten den alten Großvater wieder an den Tisch zurück und ließen ihn von nun an immer mitessen, sagten auch nichts, wenn er ein wenig verschüttete.






Montag, 18. April 2016

Vom weiten Gesichtskreis | Fabel Gedicht von Heinrich Seidel

Die Kröte kroch mit großem Schnaufen
bedächtig auf den Maulwurfshaufen
und sah sich um, von Stolz geschwellt:
"Wie groß ist doch die weite Welt!"

(Heinrich Seidel)





Sonntag, 17. April 2016

Was die Satire darf | Auszug | Frei nach Kurt Tucholsky


Wenn einer bei uns einen guten politischen Witz macht, dann sitzt halb Deutschland vor dem Fernseher, dem PC oder dem Handy und nimmt übel. Satire scheint in den Augen vieler Menschen eine durchaus negative Sache zu sein. Sie sagt aber: "Nein!". Eine Satire beißt, lacht, pfeift und trommelt gegen alles, was falsch, stockt und träge ist.

Satire ist eine durchaus positive Sache. Nirgends verrät sich der Charakterlose  schneller als hier, nirgends zeigt sich fixer, was ein gewissenloser Hanswurst ist, einer, der heute den angreift und morgen den.

Der Satiriker selbst ist ein gekränkter Idealist: er will die Welt gut haben, sie ist schlecht, und nun rennt er gegen das Schlechte an.

Die Satire eines charaktervollen Künstlers, der um des Guten willen kämpft, verdient also nicht diese Nichtachtung und das empörte Fauchen, mit dem hierzulande diese Kunst abgetan wird. 

Vor allem machen viele Bürger einen Fehler: sie verwechseln das Dargestellte mit dem Darstellenden. Wenn ich die Folgen der Trunksucht aufzeigen will, also dieses Laster bekämpfe, so kann ich das nicht mit frommen Bibelsprüchen, sondern ich werde es am wirksamsten durch die packende Darstellung eines Mannes tun, der hoffnungslos betrunken ist. Ich hebe den Vorhang auf, der schonend über die Fäulnis gebreitet war, und sage: "Seht!" - In Deutschland nennt man dergleichen 'Kraßheit'. Trunksucht ist ein böses Ding, sie schädigt das Volk, und nur schonungslose Wahrheit kann da helfen. 

Übertreibt die Satire? Die Satire muss übertreiben und ist ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht. Sie bläst die Wahrheit auf, damit sie deutlicher wird, und sie kann gar nicht anders arbeiten als nach dem Bibelwort: 'Es leiden die Gerechten mit den Ungerechten.' 

Wir sollten also nicht so kleinlich sein. Wir alle - Volksschullehrer und Kaufleute und Professoren und Redakteure und Musiker und Ärzte und Beamte und Angestellte und Frauen und Beauftragte - wir alle haben Fehler und komische Seiten und kleine und große Schwächen. Und wir müssen nicht immer gleich aufbegehren, wenn einer wirklich einmal einen guten Witz reißt. Boshaft kann er sein, aber ehrlich soll er sein. Das ist kein rechter Mann und keine rechte Frau, die nicht einen ordentlichen Puff vertragen können. Sie mögen sich mit denselben Mitteln dagegen wehren, sie mögen widerschlagen - aber sie sollten nicht verletzt, empört oder gekränkt das Haupt wenden. Es würde bei uns im öffentlichen Leben ein reinerer Wind wehen, wenn nicht alle übel nähmen. 

So aber schwillt der Dünkel zum Größenwahn an. Der Satiriker tanzt zwischen Interessen, Vereinigungen, Klassen, Konfessionen und Einrichtungen einen ständigen Eiertanz. Das ist gewiß recht graziös, aber auf die Dauer etwas ermüdend. Die echte Satire ist gesund und wirkt blutreinigend: denn wer gesundes Blut hat, der hat auch einen reinen Teint.

Was darf die Satire?
Alles!





Dienstag, 12. April 2016

John Maynard | Ballade von Theodor Fontane


John Maynard!
"Wer ist John Maynard?"
"John Maynard war unser Steuermann,
Aushielt er, bis er das Ufer gewann,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron`,
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard!"

Die 'Schwalbe' fliegt über den Erie-See,
Gischt schäumt um den Bug wie Flocken von Schnee,
Von Detroit fliegt sie nach Buffalo -
Die Herzen aber sind frei und froh,
Und die Passagiere mit Kindern und Fraun
Im Dämmerlicht schon das Ufer schaun,
Und plaudernd an John Maynard heran
Tritt alles: "Wie weit noch, Steuermann?"
Der schaut nach vorn und schaut in die Rund':
"Noch dreißig Minuten ... Halbe Stund'."

Alle Herzen sind froh, alle Herzen sind frei -
Da klingt's aus dem Schiffsraum her wie Schrei,
"Feuer!" war es, was da klang.
Ein Qualm aus Kajüt' und Luke drang,
Ein Qualm, dann Flammen lichterloh,
und noch zwanzig Minuten bis Buffalo.

Und die Passagiere, buntgemengt,
Am Bugspriet stehn sie zusammengedrängt,
Am Bugspriet vorn ist noch Luft und Licht,
Am Steuer aber lagert sich's dicht,
Und ein Jammern wird laut: "Wo sind wir? wo?"
Und noch fünfzehn Minuten bis Buffalo.

Der Zugwind wächst, doch die Qualmwolke steht,
Der Kapitän nach dem Steuer späht,
Er sieht nicht mehr seinen Steuermann,
Aber durchs Sprachrohr fragt er an:
"Noch da, John Maynard?" - "Ja, Herr. Ich bin."-
"Auf den Strand. In die Brandung." - "Ich halte drauf hin."
Und das Schiffsvolk jubelt: "Halt aus. Hallo!"
Und noch zehn Minuten bis Buffalo.

"Noch da, John Maynard?" Und Antwort schallt's
Mit ersterbender Stimme: "Ja, Herr, ich halt's!"
Und in die Brandung, was Klippe, was Stein,
Jagt er die 'Schwalbe' mitten hinein;
Soll Rettung kommen, so kommt sie nur so.
Rettung: der Strand von Buffalo.

Das Schiff geborsten. Das Feuer verschwelt.
Gerettet alle. Nur eine fehlt!

Alle Glocken gehn; ihre Töne schwelln
Himmelan aus Kirchen und Kapelln,
Ein Klingen und Läuten, sonst schweigt die Stadt.
Ein Dienst nur, den sie heute hat:
Zehntausend folgen oder mehr,
Und kein Aug' im Zuge, das tränenleer.

Sie lassen den Sarg in Blumen hinab,
Mit Blumen schließen sie das Grab,
Und mit goldner Schrift in den Marmorstein
Schreibt die Stadt ihren Dankspruch ein:

"Hier ruht John Maynard. In Qualm und Brand
Hielt er das Steuer fest in der Hand,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron'
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard."






Montag, 11. April 2016

Das Rasiermesser | Fabel von Leonardo da Vinci

Als das Rasiermesser eines schönen Tages aus seinem Griff, der ihm zur Scheide diente, herauskam und sich ins Fenster legte, sah es die Sonne sich in seinem Leib spiegeln. Da fühlte es in sich ungeheuren Glanz, und in Gedanken an sein Handwerk sprach es zu sich selber: "Niemals wieder will ich in die Bude zurück, aus der ich kam! Mögen die Götter verhüten, dass meine glanzvolle Schönheit so erniedrigt werde! Welcher Wahnsinn, die eingeseiften Knasterbärte dummer Bauern zu rasieren, welche Hausknechtsarbeit! Ist dieser Leib dazu geschaffen? O bei Gott, nein! Ich will mich an einem verborgenen Ort verstecken und dort in stiller Ruhe mein Leben verbringen." 

Als das Messer nun einige Zeit in seinem Versteck zugebracht hatte, kehrte es eines Tages wieder an die Luft zurück; aber, o Schreck, da merkte es, dass es aussah wie eine alte verrostete Säge, und die Sonne blitzte nicht mehr auf der stumpfen Fläche. Vergebens war jetzt die Reue und nutzlos die Klage. "Oh, wie viel besser hätte ich getan", sprach das Messer bei sich, "meine scharfe, ach nun verdorbene Schneide beim Barbier zu üben! Wo ist mein glänzender Leib! Weh mir, dieser abscheuliche Rost hat ihn tückisch zerfressen!"

Lehre:
Ganz so wird es denen gehen, die sich dem Müßiggang hingeben, anstatt zu arbeiten. Sie werden, wie unser Rasiermesser, ihre scharfe Schneide verlieren, und der Rost der Unwissenheit wird ihre Form verderben. Wahrlich, wer rastet der rostet!





Freitag, 8. April 2016

Vom Leben nach der Geburt | Zwillinge | Allegorische Weisheit

Ungeborene Zwillinge unterhalten sich: "Glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?" "Ja, das gibt es. Unser Leben hier ist nur dazu gedacht, dass wir wachsen und uns auf das Leben nach der Geburt vorbereiten, damit wir stark genug sind für das was uns erwartet." "Blödsinn, das gibt es doch nicht. Wie soll denn das überhaupt aussehen, ein Leben nach der Geburt?" "Das weiß ich auch nicht genau. Aber es wird sicher viel heller als hier sein. Und vielleicht werden wir herumlaufen und mit dem Mund essen?" "So ein Unsinn! Herumlaufen, das geht doch gar nicht. Und mit dem Mund essen, so eine komische Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns ernährt. Außerdem geht das Herumlaufen gar nicht, die Nabelschnur ist ja jetzt schon viel zu kurz." "Doch es geht ganz bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders. "Es ist noch nie einer zurückgekommen von „ nach der Geburt “. Mit der Geburt ist das Leben zu Ende. Und das Leben ist eine Quälerei und dunkel... "Auch wenn ich nicht so genau weiß, wie das Leben nach der Geburt aussieht, jedenfalls werden wir dann unsere Mutter sehen und sie wird für uns sorgen. "Mutter? Du glaubst an eine Mutter? Wo ist sie denn bitte?" "Na hier, überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie können wir gar nicht sein!" "Quatsch! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht." "Doch, manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören. Oder spüren, wie sie unsere Welt streichelt.





Mittwoch, 6. April 2016

Wie man eine bessere Welt erbauen kann | Zitat von Marie Curie


"Wir dürfen nicht hoffen, eine bessere Welt zu erbauen, ehe nicht die Individuen besser werden. In diesem Sinn soll jeder von uns an seiner eigenen Vervollkommnung arbeiten, indem er auf sich nimmt, was ihm im Lebensganzen der Menschheit an Verantwortlichkeit zukommt, und sich seiner Pflicht bewusst bleibt, denen zu helfen, denen er am ehesten nützlich sein kann."









Dienstag, 5. April 2016

Der Berggeist Rübezahl und der Bauer | Sage aus dem Riesengebirge


Ein Bauer war einst in große Geldnot geraten. In seiner Bedrängnis wagte er es, sich an den Berggeist Rübezahl zu wenden. Er wanderte ins Gebirge, um ihn aufzusuchen. Dieser erschien dort auch dem Bauern und fragte ihn was sein Anliegen sei. Darauf antwortete der Bauer: "Ich möchte den Beherrscher des Riesengebirges untertänigst bitten, ob er mir nicht etwas Geld vorstrecken wollte." "Gern", erwiderte der Berggeist, "wieviel brauchst du denn?" Darauf der Bauer: "Großmächtiger Herr, könntet Ihr mir vielleicht hundert Taler borgen? Ich will sie Euch als ein redlicher Mann übers Jahr hier wieder zustellen." Hierauf entfernte sich Rübezahl und kam nach einem Weilchen wieder zurück. Er brachte einen Beutel mit dem Geld, das er dem Bauern lieh. 

Nach einem Jahr erschien der Bauer von neuem im Gebirge, am gleichen Ort wie im Vorjahr. Dort traf er einen Mann, der ganz anders aussah als jener, der ihm das Geld geliehen hatte. Daher stutzte der Bauer und war sich nicht sicher, ob es auch Rübezahl sei. Auf die Frage des Mannes: "Wo willst du denn hin, Bauer?" antwortete er daher "Ich wollte zum mächtigen Herrn des Riesengebirges und ihm, wie ausgemacht, das Geld zurückbringen, das ich im Vorjahr von ihm geliehen bekam." Darauf erwiderte der verkleidete Geist: "Mein lieber Bauer, der Rübezahl ist schon lange tot; geh mit deinem Geld wieder nach Hause und behalte es." Wer war da fröhlicher als unser Bauer! 






Montag, 4. April 2016

Das Schwein unter der Eiche | Hoffnung und Erwartung | Fabel von Lessing

Ein gefräßiges Schwein mästete sich unter einer hohen Eiche mit der herabfallenden Frucht. Indem es die eine Eichel zerbiss, verschluckte es bereits eine andere mit dem Auge. 

"Undankbares Vieh!" rief ihr der Eichbaum zu. "Du nährst dich von meinen Früchten, ohne einen einzigen dankbaren Blick auf mich zu richten." 

Das Schwein hielt einen Augenblick inne und grunzte zur Antwort: "Meine dankbaren Blicke sollten nicht ausbleiben, wenn ich nur wüsste, dass du deine Eicheln meinetwegen hättest fallen lassen."

Lehre:
Die Fabel lehrt uns, dass Erwartungen, die wir in unserem Leben erhoffen, nicht immer mit dem Erlebten übereinstimmen. 






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