Aventin Blog: Gedichte
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Freitag, 1. Juli 2016

Von den Feldfrüchten im Garten | Gedicht von Kurt Tucholsky


Sinnend geh ich durch den Garten,
still gedeiht er hinterm Haus;
Suppenkräuter, hundert Arten,
Bauernblumen, bunter Strauß,
Petersilie und Tomaten,
eine Bohnengalerie,
ganz besonders ist geraten
der beliebte Sellerie.
Ja, und hier -? Ein kleines Wieschen?
Da wächst in der Erde leis
das bescheidene Radieschen:
außen rot und innen weiß.

Sinnend geh ich durch den Garten
unsrer deutschen Politik;
Suppenkohl in allen Arten
im Kompost der Republik.
Bonzen, Brillen, Gehberockte,
Parlamentsroutinendreh ...
Ja, und hier -? Die ganz verbockte
liebe gute S P D.
Hermann Müller, Hilferlieschen
blühn so harmlos, doof und leis
wie bescheidene Radieschen:
außen rot und innen weiß.






Mittwoch, 11. Mai 2016

Nun kenn ich die Himmelsstiege | Gustav Kühne | Foto Aventin


Auch mir hast Du die Erlösung gebracht;
Meine Seele lag tief in der Wiege,
Als Kind schlief ich still, - nun bin ich erwacht,
Nun kenn ich die Himmelsstiege.


Gustav Kühne • Metamorphosen







Montag, 18. April 2016

Vom weiten Gesichtskreis | Fabel Gedicht von Heinrich Seidel

Die Kröte kroch mit großem Schnaufen
bedächtig auf den Maulwurfshaufen
und sah sich um, von Stolz geschwellt:
"Wie groß ist doch die weite Welt!"

(Heinrich Seidel)





Dienstag, 8. März 2016

Der Garten des Herrn Ming | Von der Liebe | Gedicht von James Krüss


Im stillen Gartenreiche
Des alten Gärtners Ming,
Da schwimmt in einem Teiche
Ein Wasserrosending.

Den alten Ming in China
Entzückt sie ungemein,
Er nennt sie Cathrina,
Chinesisch: Ka-Ta-Rain.

Mit einer Pluderhose
Und sehr verliebtem Sinn
Geht er zu seiner Rose hin.

Er singt ein Lied und fächelt
Der Rose Kühlung zu.
Die Rose aber lächelt
Nur für den Goldfisch Wu.

Sie liebt das goldne Fischchen,
Das oft vorüberschießt
Und auf den Blättertischchen
Den Rosenduft genießt.

Doch Wu, der Goldfisch-Knabe,
Der lockre Bube, gibt
Ihr weder Gruß noch Gabe,
Weil er ein Hühnchen liebt.

Er liebt Shu-Shu, das kleine,
Goldrote Hühnerding.
Jedoch Shu-Shu, die Feine,
Liebt nur den Gärtner Ming.

So liebt Herr Ming Cathrina,
Cathrina liebt den Wu
Wu liebt Shu-Shu aus China,
Den Gärtner liebt Shu-Shu.

Man liebt sich sanft und leise.
Doch keiner liebt zurück.
Und niemand in dem Kreise
Hat in der Liebe Glück.

Sie leben und sie warten,
Sind traurig und verliebt
In diesem kleinen Garten,
Von dem es viele gibt.





Dienstag, 8. Dezember 2015

Ein Meister ländlicher Schule ⋅ Johann Wolfgang Goethe


Ein Meister einer ländlichen Schule
Erhob sich einst von seinem Stuhle,
Und hatte fest sich vorgenommen
In bessere Gesellschaft zu kommen;
Deswegen er, im nahen Bad,
In den sogenannten Salon eintrat.

Verblüfft war er gleich an der Tür,
Als wenn's ihm zu vornehm widerführ;
Macht daher dem ersten Fremden rechts
Einen tiefen Bückling, es war nichts Schlechts,
Aber hinten hätt er nicht vorgesehen,
Dass da auch wieder Leute stehen,
Gab einem zur Linken in den Schoß
Mit seinem Hintern einen derben Stoß.

Das hätt er schnell gern abgebüßt;
So stößt er rechts einen andern an,
Er hat wieder jemand was Leids getan.
Und wie er's  diesem wieder abbittet,
Er's wieder mit einem andern verschüttet.
Und komplimentiert sich zu seiner Qual,
Vor vorn und hinten, so durch den Saal,
Bis ihm endlich ein derber Geist
Ungeduldig die Türe weist.

Da er nun seine Straße ging,
Dacht er: ich machte mich zu gering;
Will mich aber nicht weiter schmiegen;
Denn wer sich grün macht, den fressen die Ziegen.
So ging er gleich frisch querfeldein,
Und zwar nicht über Stock und Stein;
Sondern über Äcker und gute Wiesen,
Zertrat das alles mit latschen Füßen.

Ein Bauer begegnet ihm so
Und fragt nicht weiter wie? noch wo?
Sondern schlägt ihm tüchtig hinter die Ohren.
Bin ich doch gleich wie neugeboren!
Ruft unser Wandrer hochentzückt.
Wer bist du Mann, der mich beglückt?
Möchte mich Gott doch immer segnen,
Dass mir so fröhlich Gesellen begegnen!






Dienstag, 27. Oktober 2015

Der König von Thule • Gedicht • Johann Wolfgang Goethe


Es war ein König in Thule
Gar treu bis an das Grab,
dem sterbend seine Buhle
Einen goldenen Becher gab.

Es ging ihm nichts darüber,
Er leert' ihn jeden Schmaus;
Die Augen gingen ihm über,
Sooft er trank daraus.

Und als er kam zu sterben
Zählt er seine Städt' im Reich,
Gönnt' alles seinen Erben,
Den Becher nicht zugleich.

Er saß beim Königsmahle,
Die Ritter um ihn her,
Auf hohem Vätersaale,
Dort auf dem Schloss im Meer.

Dort stand der alte Zecher,
Trank letzte Lebensglut,
Und warf den heiligen Becher
Hinunter in die Flut.

Es sah ihn stürzen, trinken
Und sinken, tief ins Meer
Die Augen täten ihm sinken;
Trank nie einen Tropfen mehr. 






Dienstag, 29. September 2015

Oranges and Lemons • Reimwortspiel aus London • Gedicht

http://de.wikipedia.org/wiki/St_Clement_Danes

Reimwortspiel mit den Namen 
von Londoner Gotteshäusern:

"Oranges and Lemons", say the bells of St. Clement´s.,
"Bull´s eyes and targets", say the bells of St. Margaret´s.
"Brickbats and Tiles", say the bells of St. Giles.
"Halfpence and farthings", say the Bells of St. Martin´s.
"Old shoes and slippers", say the bells of St. Peter´s.
"Two sticks and an apple", say the bells of Whitechapel.
"Pokers and tonges", say the bells of St. John´s.
"Kettles and pans", say the Bell´s of St. Anns.
"Old Father Baldpate", say the slow bells of Aldgete.
"You owe me ten shillings", say the bells of St. Helen´s.
"When will you pay me?", say the Bells of Old Bailey.
"When I grow rich", say the bells of Shoreditch.
"Pray when will that be?", say the Bells of Stepney.
"I do not know", say the great bell of Bow.
Here comes a candle to light you to bed.
chip chop - chip chop - tha last men´s dead.''











Dienstag, 28. Juli 2015

Der Affe im Wasser • Fabel & Gedicht von Karl Wilhelm Ramler


Ein Affe, welcher in Gefahr
im Meere zu ertrinken war,
rief kläglich mit gebrochnem Flehn:
"Neptun, lass mich nicht untergehn.
Ich will auch deinem Dienst mich weihn,
will dir zu Ehren mich kastein,
nicht näschig mehr, nicht bissig sein.
Ach! wär's nicht um mein Leben schade?"
So seufzt er angstvoll, und sogleich
wirft eine Well ihn ans Gestade.
Vergnügt ergreift er das Gesträuch,
das von der Klipp herunterhängt, und spricht:
"Neptun! bemüh dich weiter nicht,
jetzt kann ich mich schon selber retten."
- - -
Man sagt uns nach, 
dass wir auf unsern Krankenbetten
so frommer Affen viele hätten.






Dienstag, 14. Juli 2015

Die beiden Enten und der Frosch • Gedicht von Wilhelm Busch


Sieh da, zwei Enten jung und schön,
die wollen an den Teich hingehn.
Zum Teiche gehn sie munter
und tauchen die Köpfe unter.

Die eine in der Goschen
trägt einen grünen Froschen.
Sie denkt allein ihn zu verschlingen,
das soll ihr aber nicht gelingen.

Die Ente und der Enterich,
die ziehn den Frosch ganz fürchterlich.
Sie ziehn ihn in die Quere,
das tut ihm weh gar sehre.

Der Frosch kämpft tapfer wie ein Mann.
Ob das ihm wohl was helfen kann?
Schon hat die eine ihn beim Kopf,
die andre hält ihr zu den Kropf.

Die beiden Enten raufen,
da hat der Frosch gut laufen.
Die Enten haben sich besunnen
und suchen den Frosch im Brunnen.

Sie suchen ihn im Wasserrohr,
der Frosch springt aber schnell hervor.
Die Enten mit Geschnatter
stecken die Köpfe durchs Gatter.

Der Frosch ist fort - die Enten,
wenn die nur auch fort könnten!
Da kommt der Koch herbei sogleich,
und lacht: "He, jetzt hab' ich euch!"

Drei Wochen war der Frosch so krank!
Jetzt raucht er wieder, Gott sei Dank!





Mittwoch, 1. Juli 2015

Donnerstag, 16. April 2015

Schatzgräber im Weinberg • Gedicht von Gottfried August Bürger


Ein Winzer, der am Tode lag,
Rief seine Kinder an und sprach:
"In unserem Weinberg liegt ein Schatz:
Grabt nur danach!" - "An welchem Platz?",
Schrie alles laut den Vater an. -
"Grabt nur!" - O weh! da starb der Mann.
Kaum war der Alte beigeschafft,
Da grub man nach aus Leibeskraft.
Mit Hacke, Karst und Spaten ward
Der Weinberg um und um gescharrt.
Da war kein Kloß, der ruhig blieb;
Man warf die Erde gar durchs Sieb.
Und zog die Harken kreuz und quer
Nach jedem Steinchen hin und her.
Allein da ward kein Schatz verspürt,
und jeder hielt sich angeführt.
Doch kaum erschien das nächste Jahr,
So nahm man mit Erstaunen wahr,
Dass jede Rebe dreifach trug.
Da wurden erst die Söhne klug
und gruben nun jahrein, jahraus
Des Schatzes immer mehr heraus. 






Samstag, 14. Februar 2015

Kater und Vogel | Gedicht von Wilhelm Busch

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Es sitzt ein Vogel auf dem Leim,
er flattert sehr und kann nicht heim.
Ein schwarzer Kater schleicht herzu,
die Krallen scharf, die Augen gluh.
Am Baum hinauf und immer höher
kommt er dem armen Vogel näher.
Der Vogel denkt: Weil das so ist
und weil mich doch der Kater frisst,
so will ich keine Zeit verlieren,
will noch ein wenig quinquillieren
und lustig pfeifen wie zuvor.
Der Vogel, scheint mir, hat Humor.

(Wilhelm Busch)





Sonntag, 18. Januar 2015

An die Deutschen | Frei nach Johann Wolfgang von Goethe

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Armes Volk! Kaum bist du frei,
so brichst du in dir selbst entzwei!
War nicht der Not, des Glücks genug?
Deutsch oder Bunt, du wirst nicht klug!

(Frei nach Johann Wolfgang von Goethe)







Samstag, 17. Januar 2015

Donnerstag, 19. April 2012

Unterhaltsames Gedicht | Kreuz und Quer | Johann Wolfgang Goethe

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Wir reiten in die Kreuz und Quer
nach Freuden und Geschäften,
doch immer kläfft es hinterher
und bellt aus allen Kräften.

So will der Spitz aus unserm Stall
uns immerfort begleiten,
und seines Bellens lauter Schall
beweist uns, dass wir reiten.







Samstag, 26. November 2011

Die Rose | Gedicht | Quelle unbekannt

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Weißt du, wie die Rose spricht,
wenn sie so sanft mit ihren Dornen sticht,
dich weckt in allen Sinnen
so kannst du nicht entrinnen.

Sie spricht in tausend Worten,
von hier und andren Orten
in deines tiefsten Herzens Grund
tut sie dir ihr´ Weisheit kund.

Ihr Duft wird dich betören,
so du weißt auf sie zu hören.
Hast einmal ihn gerochen,
so sie zu dir gesprochen.

Sie tut dir ihre Wahrheit kund,
die kommt aus innerer Seele Grund.
So freue dich in dem Wissen,
dass sie dich wird auf ewig küssen.

(Quelle unbekannt)









Montag, 24. Oktober 2011

Sonnenuntergang an der Adria | Gedicht von Rudolf Presber

aventin.blogspot.com


Das ist meiner Sehnsucht Stunde,
Wenn die Sonne still versinkt
Und aus weißer Wolken Wunde
Rotes Blut der Abend trinkt;
Wenn die kühlen Düfte steigen
Würziger aus Busch und Beet,
Und ein dunkeläugig Schweigen
Durch des Gartens Schatten geht.

Sieh, dann liegt in tausend Schmerzen,
Von des Tages Speeren wund,
Meine Sehnsucht dir am Herzen,
Und mein Mund sucht deinen Mund.
In des Traumes Taumelwonne
Drück' ich deine kleine Hand,
Die du fern bist, wie die Sonne,
Die im Purpur dort verschwand ...






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